Frankreich am Scheideweg

Sarkozy oder Hollande - was sagt der Markt?

Die heiße Phase der Präsidentschaftswahl in Frankreich ist eingeläutet. Sollte Nicolas Sarkozy im abschließenden Fernsehinterview nicht mehr entscheidend punkten können und einen deutlichen Stimmenzuwachs aus dem rechten Lager erhalten, deutet vieles auf einen Wechsel des französischen Präsidenten hin. Der sozialistische Kandidat Francois Hollande liegt in den letzten Umfragen klar vorne. Vielen Analysten treibt dieser mögliche Wechsel Sorgenfalten ins Gesicht - droht doch die Gefahr, dass die zukünftige Zusammenarbeit mit Kanzlerin Merkel weniger reibungslos ablaufen wird, als dies mit Sarkozy der Fall war. Die im Vorfeld geäußerte Kritik von Hollande am bereits von der EU geschnürten Fiskalpakt deutet für viele Beobachter darauf hin, dass die europäische Einigkeit durch ein verkompliziertes Verhältnis zwischen Frankreich und Deutschland sogar erheblich bedroht zu sein scheint. Läuft die EU tatsächlich Gefahr, an nachhaltig belastenden Konflikten zwischen Frankreich und Deutschland zu zerbrechen? Reagiert der Markt mit Turbulenzen? Um diese Situation richtig einschätzen zu können, sollte man einige grundlegende Fakten in Betracht ziehen.

Deutschland als starker Partner

Hollande agiert derzeit als Wahlkämpfer und ist durch seine Aussagen natürlich bestrebt, Frankreichs starke Position in der EU zu festigen. Sobald er aber ins Amt gewählt wird, ist wieder Diplomatie gefragt. Und das heißt in diesem Fall: Deutschland auf keinen Fall als starken Partner zu verlieren. Analysiert man Frankreichs Situation anhand der Rendite der zehnjährigen Staatsanleihen, so befindet sich Frankreich genau am "Scheideweg". Die Rendite für zehnjährige französische Staatsanleihen beträgt aktuell 2,98 %, deutsche Anleihen rentieren bei 1,63 %. Nie war der Spread zwischen diesen beiden Ländern seit Einführung des Euros größer. Sollten die wirtschaftlichen Beziehungen zu Deutschland aufgrund politischer Differenzen abkühlen, droht Frankreich sogar eine Abwärtsbewegung in Richtung der PIIGS-Staaten. Die Gefahr, sich dem Niveau von Spanien (5,81 %) und Italien (5,54 %) anzugleichen, wäre dann sehr groß. Diese Entwicklung kann sich Frankreich schlichtweg nicht erlauben. Gleichgültig ob nun Sarkozy oder Hollande die Wahl gewinnt - letztendlich wird der französische Präsident mit Kanzlerin Merkel jederzeit kooperieren, um nicht den Anschluss an die wirtschaftlich "starken" Länder zu verlieren.

Wie reagieren die Märkte?

Nachdem viele Aspekte der europäischen Schuldenkrise die Gemüter mittlerweile nicht mehr erhitzen können, hat die anstehende französische Präsidentschaftswahl keine Probleme, das uneingeschränkte Sorgenkind Nummer eins zu werden. Viele Skeptiker sehen nun eine endgültige Eskalation der Krise voraus. Nüchtern betrachtet wird der Ausgang der Wahl das Marktgeschehen im Jahr 2012 jedoch nicht nachhaltig beeinflussen können. Zum einen blicken Märkte in die Zukunft und haben mögliche Szenarien schon längst durchgespielt - ein negativer Überraschungseffekt ist somit in keinster Weise vorhanden - zum anderen wird es sich auch Francois Hollande langfristig betrachtet nicht erlauben können, einen grundlegend veränderten politischen Kurs einzuschlagen.

Fazit

Politische Börsen haben stets "kurze Beine" und keinen nachhaltigen Effekt. Sobald die Wogen des Wahlkampfs geglättet sind, wird der neue (oder alte) französische Präsident wieder als Präsident agieren und nicht mehr als Wahlkämpfer. Der jetzige "Sturm im Wasserglas" wird dann wieder abgeflaut sein. Weitere wichtige interessante Fakten zu diesem Thema - sowie einer detaillierten Markteinschätzung für 2012 - können Sie in unserer umfangreichen Jahresprognose nachlesen. Sie können sich diese unverbindlich unter www.gruener-fisher.de anfordern.

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