Ein kurioses Phänomen!

Damit hat niemand gerechnet.

Das Jahr 2008 endet - wie fast das gesamte Jahr - mit einer Überraschung. Der Effekt durch die Einführung der Abgeltungsteuer ist fast völlig verpufft. Viele private Anleger haben im Umfeld der globalen Finanz- und Börsenkrise ihre Anlageentscheidungen aufgeschoben.

Endspurt fällt aus

Die Einführung der Abgeltungsteuer sollte zu einem heftigen Endspurt in diesem Jahr führen. Nach den Erfahrungen mit den Ereignissen rund um die Abschaffung der Eigenheimzulage und dem Wegfall des Steuerprivilegs bei den Lebensversicherungen hatte sich die Branche auf riesige Umsätze eingestellt. Es kam ganz anders. Während es beim "Schlussverkauf" der Lebensversicherungen in 2004 ausreichte, einen Vertrag vor dem Stichtag abzuschließen, gilt dies bei Sparverträgen in Fonds nur für die bis zum Tag der Einführung am 31.12.2008 eingezahlten Beträge. Die Finanz- und Wirtschaftskrise hat diesen Überlegungen jedoch einen Strich durch die Rechnung gemacht. Derzeit ist die Angst größer als der berühmte deutsche Hang zum Steuern vermeiden. Im November sind kurioserweise erneut Mittel in Rekordhöhe aus Fonds abgeflossen. Alles wird derzeit liquidiert und geparkt. Die Staatsgarantien haben selbst zu einer Flucht aus Anleihenfonds geführt. Weg von Fonds hin zu "sicheren" Bankeinlagen lautete die Devise. Lesen Sie hierzu auch meinen Beitrag "Die wertlose Garantie" vom 20. November 2008: .

Transparenz schlägt Steuersparen

Auch wir bei Grüner Fisher Investments konnten diesen erstaunlichen und auch für uns eher überraschenden Trend miterleben. Fast alle unsere Zuflüsse verbuchten wir in diesem Jahr in unserer individuellen Vermögensverwaltung. Vor allem große Anlagesummen bevorzugten diese Variante der Vermögensverwaltung gegenüber den steueroptimierten Fondslösungen. Das immer wieder angeführte Argument war hierbei die größere Transparenz bei individuell gemanagten Einzeldepots. Die Anfang des Jahres erwartete, große Umverteilung des Marktes im Investmentbereich ist in 2008 ausgeblieben. 2009 verspricht große Spannung. Die im Laufe des Jahres an Attraktivität verlierenden Tages- und Festgelder werden hohe Anlagevolumina frei werden lassen. Die dann niedrigeren Renditen werden Umschichtungen begünstigen. Vor allem die Aktienmärkte sollte dieser Trend unterstützen.

Fazit

Das Jahr 2009 beginnt in wenigen Tagen. Die Einführung der Abgeltungsteuer hat die Finanzmärkte wesentlich weniger beeinflusst, als dies noch vor wenigen Monaten angenommen wurde. Im Januar beginnt eine neue Zeitrechnung. Fast alle Anlageformen werden dann steuerlich gleich behandelt. Spannend wird, ob diese Gleichstellung im kommenden Jahr zu größeren Umschichtungen führen wird. Der große Ansturm auf abgeltungsteueroptimierte Produkte zum Jahresende ist zumindest ausgeblieben. Die große Angst und Verunsicherung gepaart mit einer Liquiditätskrise der Banken hat in den letzten Monaten dazu geführt, dass immense Summen auf Tagesgeldkonten zu - noch - recht attraktiven Zinsen geparkt wurden. Eines steht bereits heute fest: Die hohen Tagesgeldzinsen, die weit über den Referenzsätzen der EZB liegen, werden nicht mehr lange Bestand haben. Bereits im Januar sollte hier ein deutlicher Zinsrutsch einsetzen. P.S.: Ich bedanke mich abschließend für das große Interesse an unserer Arbeit im abgelaufenen Jahr und wünsche Ihnen und Ihrer Familie ein gesegnetes Weihnachtsfest. Herzliche Grüße aus Rodenbach Thomas Grüner

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